Der Perfekte Fehler

Der Perfekte Fehler
Text und Musik: Gitta Schürck; Dez 2018
musikalisch überarbeitet im Juli 2021


Der Song "Der Perfekte Fehler" ist ursprünglich im Zuge einer Kunstausstellung entstanden, die ich im Dezember 2018 mit meinen eigenen Werken (Bilder, Musik und LIVE-Konzert) in meinem Heimatort Kallmünz auf die Beine gestellt hatte. Die Ausstellung hatte den gleichnamigen Titel "Der Perfekte Fehler".

Ursprünglich ging es um die Auseinandersetzung über das Thema des eigenen Perfektionsanspruches und der eigenen Fehlerdefinition. Ich halte einen gesunden Perfektionismus nicht per se für schlecht, sondern durchaus für notwendig. Oft steht am Anfang eines Projektes ein Ziel oder eine Mission - eine Vorstellung von etwas, wo wir hin wollen. Und oft ist diese Mission etwas, was schier unmöglich zu erreichen scheint, was aus unserer heutigen Sicht viel zu perfekt daher kommt, viel zu weit, viel zu hoch, eben unerreichbar scheint.

Die Kunst ist es dieses perfekte Bild mit all den Fehlern, die ich auf dem Weg dahin begehe, in Deckung zu bringen - die Fehler als notwendige Erfahrung zu nutzen, als etwas, was mich weiter bringt, wenn ich denn reflektiere und den Kompass immer wieder neu ausrichte. Vielleicht erkenne ich sogar, dass mein eigentliches Ziel ein ganz anderes ist, ein noch viel besseres oder dass ich eben vollkommen falsch lag mit meiner ursprünglichen Mission.
Wenn die Stimme im Song einsetzt, wird jede Tontechnikerin schreiend davon laufen – oh Compressor, Limiter und und … alles falsch … Keine Sorge, das war Absicht und ist gewollt und zeigt genau diese menschliche Fehlerhaftigkeit und wie sehr wir oft an ihnen hängenbleiben, an den hörgewohnten Fehlern oder der Form und dabei oft den so wichtigen Inhalt vergessen – die Substanz. Ein perfektes Abbild mag formal perfekt erscheinen – aber hat die Form auch einen Inhalt, eine eigene Geschichte, eine eigene Substanz?

So hatte sich das ursprünglich persönliche Thema meiner Ausstellung "Der Perfekte Fehler" auch über meinen eigenen kleinen Tellerrand geschlichen und sich gesellschaftlich relevanter Themen angenommen wie zum Beispiel die tierquälenden Massentierhaltung inklusive dem unwürdigen Umgang mit Tieren als Fleischlieferanten.

Im Jahre 2021 hab ich den Song "Der Perfekte Fehler" nochmal überarbeitet. Ich arbeite sehr mit der Technik der Improvisation in meiner Kunst und so ist mir beim tontechnischen Bearbeiten des Songs auf einmal der Satz "How Dare You" von Greta Thunberg nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er wollte in den Song aufgenommen werden, als Platzhalter für den "Heiligen Zorn" - einen Zorn, der anklagt, der erbost ist darüber, wie respektlos mit dem Leben und den Lebensgrundlagen von uns allen umgegangen wird. Gemeint ist auch mein eigener Heiliger Zorn, der ausbricht, wenn mein Gerechtigkeitssinn gereizt wird/verletzt wird - wenn ich sehe, dass - meist aus unedlen Motiven heraus wie Habsucht, Gier, Unachtsamkeit, Grausamkeit, Eitelkeit, Narzissmus, Maßlosigkeit und und und ... - wie eben aus solchen Motiven heraus das Leben, die Lebewesen, die Lebensgrundlagen maßlos und grausam zerstört werden.
Das Mitgefühl, die Verbundenheit bleibt auf der Strecke - es wird die eigene und die Lebensgrundlage aller aus eben diesen unedlen Zielen heraus zerstört und das Leid wird vermehrt.

Tragisch und maßlos ist, dass aus Fehlern nicht gelernt wird oder gar, dass Fehler wissentlich und absichtsvoll aus besagten niedrigen Beweggrünen immer wieder und wieder getan werden, weil sie gesellschaftlich geduldet, gefeiert, zelebriert werden, weil das Gewissen, das GerechtigkeitsGefühl übergangen, erschlagen, missachtet und verdrängt wird.

Übrigens: Bei all dem bin auch ich selbst gemeint und nicht nur die anderen. Ich hinterfrage ständig meine Motivationen und Absichten.

Es geht mir in keinster Weise um politische Dogmen oder Parteiprogramme. Es geht um RESPEKT und MENSCHLICHKEIT

ES FEHLT DER RESPEKT


In der Mitte des Songs steht ein gedoppelter, nerviger WarnTon, der als Symbol stehen soll. Einmal für die fortlaufende maßlose, respektlose Zerstörung, die nicht aufhört und immer weiter bohrt und nagt und als immerwährender Warnton, wie ein HupSignal kurz vor der Sprengung.

ES WIRD ZEIT - ES GEHT EIN RISS DURCH DIE WELT

Ja, es geht eine Spaltung durch die Welt, durch die Menschen. Humanistische Werte sind in diesen Zeiten gefordert, aber nicht in einer Atmosphäre der freiwilligen entspannten Entscheidung heraus, sondern eher gefühlt mit dem Rücken zur Wand, kurz vor der Exekution.

Am Schluss des Liedes gibt es eine meditative Auflösung begleitet von einem tiefen Atem als Symbol des Lebens. Ob dies nun die erhoffte Rettung oder Umkehr oder (Er-) Lösung ist oder
der Tod, der am Ende jedes Lebens, jeder LebensEpoche steht - auch der Epoche, die durch die Respektlosigkeit vor jeglichem Leben zu Ende geht -
dies sei jeder Hörerin und jedem Hörer selbst überlassen.


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(als Release veröffentlicht am 07. Juli 2021)
gs-kunst
Gitta Schürck

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